Fallstudien
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Fallstudien

Ziel der Fallstudien war zunächst die Ermittlung des Bedarfs: An welchen Stellen lässt sich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Fallstudienbetrieb verbessern? 

Zudem sollten gemeinsam mit den Mitarbeitenden Verbesserungsvorschläge und neue Ideen entwickelt werden: Welche konkreten Maßnahmen werden benötigt und wie lassen sich diese Maßnahmen umsetzen, damit der Betrieb familienfreundlicher wird?

Das Projekt CheFsache Familie vertrat in den Fallstudien einen sehr weites Verständnis von Familienfreundlichkeit. Diese betraf somit nicht nur Fragen der Kinderbetreuung, es ging nicht nur um Mütter oder Väter. Es ging auch um Personen, die pflegebedürftige Angehörige zu versorgen haben. Und Familienfreundlichkeit konnte für alle Mitarbeitenden ganz allgemein heißen, Arbeit so zu gestalten, dass es ihnen möglich ist, Anforderungen im Beruf und außerhalb des Berufs zu vereinbaren.

In den betrieblichen Fallstudien wurden auf der Grundlage des weiten Verständnisses von Familienfreundlichkeit sehr unterschiedliche Aspekte von Arbeitsorganisation  und -ablauf betrachtet. Dabei wurde zwischen äußerer und innerer Vereinbarkeit unterschieden. Die äußere Vereinbarkeit betraf die Frage, ob es überhaupt möglich ist, Berufs- und Privatleben "unter einen Hut" zu bekommen. Hier ging es nicht nur um Arbeitszeiten, sondern auch um gegenseitige Vertretbarkeit im Betrieb, um konkrete Unterstützungsmaßnahmen sowie um ein grundlegendes Verständnis dafür, dass die Mitarbeitenden  auch ein Leben außerhalb des Betriebes führen. Die Frage, ob inner- und außerberufliche Aktivitäten zudem ohne gesundheitliche Belastungen ausgeführt werden können, betraf ebenso wie die Frage nach persönlichkeitsförderlichen Wirkungen die innere Vereinbarkeit. Hier ging es um das Reduzieren von Belastungen durch Zeitdruck oder Hindernisse in den Arbeitsabläufen sowie um das Erweitern von Spielräumen und Qualifikationen.

Im Folgenden wird der typische Ablauf einer Fallstudie dargestellt. Je nach Größe des Fallstudienbetriebs und Ausgangssituation konnte das Vorgehen variieren.

Bestandsaufnahme

Bei der Bestandsaufnahme geht es darum, die betrieblichen Abläufe genau zu verstehen. Dazu werden drei Methoden eingesetzt:

Tätigkeitsanalysen 
Es werden mehrere Analysen an typischen Arbeitsplätzen im Betrieb durchgeführt. Dabei geht es um Fragen des Arbeitsablaufs; es werden also Informationen zur Arbeitsorganisation, zum Ablauf und zu eventuellen Störungen erhoben. Es geht nicht um personenbezogene Daten, wie etwa die Leistungsfähigkeit oder die Arbeitsweise der Beschäftigten.

Interviews
Mit einigen Mitarbeitenden werden Gespräche über betriebliche Zusammenhänge, persönliche Einschätzungen und das Zusammenspiel von Berufs- und Privatleben geführt.

Fragebogenerhebung
An alle Beschäftigten des Fallstudienbetriebs wird ein Fragebogen ausgegeben. Hier werden die Mitarbeitenden nach einer Bewertung ihrer Arbeitssituation und nach ihrer Einschätzung der Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben gefragt.

Rückmeldung

Die Ergebnisse der Bestandsaufnahme werden allen interessierten Beschäftigten in anonymisierter Form in einer Informationsveranstaltung zurückgemeldet. Hierbei werden insbesondere Stärken und kritische Aspekte im Sinne des weiten Verständnis von Familienfreundlichkeit benannt. Die kritischen Aspekte werden zu größeren Themenbereichen gruppiert und für die weitere Arbeit in den Workshops als Handlungsfelder vorgeschlagen. Mitarbeitende und Geschäftsleitung stimmen im Abschluss gemeinsam ab, an welchen vorgeschlagenen Handlungsfeldern weiter gearbeitet werden soll.

Workshop

Im Anschluss an die Ergebnisrückmeldung werden Workshops durchgeführt. Auf der Grundlage der Ergebnisse der Bestandsaufnahme sollen gemeinsam konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsorganisation und der Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben erarbeitet werden.

Umsetzung

Die Ergebnisse des Workshops werden den betrieblichen Entscheidern vorgelegt. Diese entscheiden über die Umsetzung der einzelnen Maßnahmen. Nach etwa einem halben Jahr soll der Umsetzungsstand dann noch einmal bewertet werden. Auch hierüber bekommen die Mitarbeitenden eine Rückmeldung.

Zusammenarbeit

1.        Vertraulichkeit
Alle Informationen aus der Bestandsaufnahme bleiben anonym und werden vertraulich behandelt.

2.        Information
Es wird immer wieder in Informationsveranstaltungen und im persönlichen Gespräch über den Stand der Fallstudie informiert. Das Team der Universität Flensburg und die betriebliche Vertrauensperson sind für weitere Fragen jederzeit ansprechbar.

3.        Freiwilligkeit
Die Mitarbeit an der Fallstudie erfolgt während der Arbeitszeit, ist aber freiwillig.

Durchführung

Prof. Dr. Marianne Resch
Universität Flensburg
Internationales Institut für Management
Arbeits- und Organisationspsychologie
http://www.iim.uni-flensburg.de/ao